Wählergemeinschaft - Bürger für Hanau

Peter Jurenda, Wallonisch-Niederländische Kirche

Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

in den vergangenen Monaten ist viel über das Für und Wider bei der Neu-Gestaltung des Platzes um die Wallonisch-Niederländische Kirche diskutiert worden. Wir als Stadtverordnetenversammlung werden heute mit wahrscheinlich großer Mehrheit den Beschluß fassen, daß dort - nicht auf dem Platz, sondern auf den Straßen um den Platz - auch 46 Parkplätze vorgesehen werden. Dieser als Variante B1 bezeichnete Vorschlag fand am Bürgerwochenende eine Mehrheit und wird auch heute in diesem Hause mehrheitlich beschieden werden - und das ist auch gut so.
Es ging bei allen Diskussionen bezüglich dieser Platzgestaltung fast immer nur um Parkplätze oder nicht - wenige oder viele - selten aber um den Platz in seiner Gesamtheit. Ich möchte daher heute auch nicht über das Thema "Parkplätze oder nicht" sprechen, sondern über eine eindrucks- und stilvolle Neuschaffung im Rahmen des Stadtumbaues.
Denn - meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen - wir von der BfH finden, daß Hanau in den letzten Jahren für Kunst und Kultur im öffentlichen Raum sehr viel initiiert und geschaffen hat.
Der Stadtumbau bot und bietet noch  Gelegenheit, seit Jahrzehnten intensiv diskutierte Projekte zur Stadtgeschichte, Stadtidentität sowie Kunst und Kultur
im öffentlichen Raum umzusetzen. Die geschaffenen Werke mit Alleinstellungsmerkmal leisten zu einer lebendigen Stadtgeselllschaft und Urbanität einen herausragenden Beitrag. Sie verkörpern die Balance zwischen Tradition und Moderne und  umrahmen - bzw werden dies künfig noch tun -  ästhetisch und markant das neue Stadtbild, sind nur in Hanau zu finden. Ich danke an dieser Stelle ausdrücklich Oberbürgermeister Kaminsky als Kulturderzernent und Martin Hoppe als Fachbereichsleiter Kultur für viele Ideen, Sponsoringbemühungen und Realisierung.
Um nun dazu noch einige Beispiele in Erinnerung zu rufen:
1. "Die sechs Schwäne und Ihre Schwester" von Albrecht Glenz, seit 2014 im Schlossgartenweiher wieder aufgestellt. Damit konnte eine Idee des Künstlers, das Denkmal im Wasser zu verorten, realisiert werden.
2. "Das Oppenheim-Denkmal", (genannt Moritz und das tanzende Bild) auf dem Freiheitsplatz, dessen Gestaltung in der Öffentlichkeit zunächst auch sehr differenziert diskutiert wurde, heute aber in unserem Stadtbild fest verankert ist, so, als wäre es schon immer da. Der 1799 in Hanau geborene Moritz Daniel Oppenheim galt schon zu Lebzeiten als erster populärer jüdischer Künstler Deutschland.
3. "Der Grimm- Märchenpfad", wurde in einem offenen Wettbewerb - zu dem der unvergessene und praktizierende Hanauer Ernst Alfred Harlos viele Ideen lieferte - im Frühjahr 2016 realisiert. Er umfasst mit den vorhin genannten Schwänen im Schlossgarten insgesamt elf Stationen - verteilt auf ebensoviele Standorte in der Hanauer Kernstadt - deren Kosten komplett durch private Sponsoren  getragen wurden.
Es wären hier noch viele weitere Beispiele zu nennen, wie die Katase-Säule, das Paul-Hindemith-Denkmal vor der Paul-Hindemith-Musikschule, die Turmhaube der Alten Johanneskirche, die Restaurierung des Gerechtigkeitsbrunnens auf dem Altstädter Markt vor dem Deutschen Goldschmiedehaus und, und und...
Im speziellen Fall für die Gestaltung des Platzes um die Wallonisch-Niederländischen Kirche wird neben vielem Grün und einer beeindruckenden Architektur auf diesem Platz eine "Neustadtsitzgruppe" geschaffen.
Bereits in den 1980er Jahren hatte Professor Claus Bury ein Modell eines Bodenreliefs auf Grundlage des Grundrisses der Neustadt Hanaus aus dem Jahr 1597 erarbeitet, um damit dem Neustädter Markt eine Prägung zu geben. Die Idee wurde damals nicht umgesetzt, bietet sich aber nun im Rahmen des neu zu gestaltenden Platzes zu Füßen des Denkmals für den Gründer der Neustadt - Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg - an.
Die einst sternförmig verlaufende Neustadtbefestigung soll durch steinerne Sitzbänke dargestellt werden, die offenen Zugänge für Besucherinnen und Besucher in das Innere des "Stadtkerns" befinden sich an den Stellen der einstigen Stadttore. Das quadrierte Straßenpflaster der Neustadt aus Granit umfasst eine Gesamtfläche von rund 15 x 17 Metern. Es orientiert sich am sogenannten Metzger-Plan (einer Vogelschau von 1665). Die historischen Straßenbezeichnungen werden mit Hilfe von Metallbändern in den Steinplatten nachvollziehbar.
Mit dem Projekt wird die Mittelachse der Neustadt von der Karl-Röttelberg-Straße über das Philipp-Ludwig-Denkmal, die Wallonisch-Niederländische Kirche, den Neustädter Markt mit Brüder-Grimm-Denkmal und Rathaus bis Freiheitsplatz zur Einmündung in die Altstadt nochmals betont. Da Einheimische wie Besucher den Stadtplan betreten können, wird Stadtgeschichte und -Entwicklung im wahrsten Sinne des Wortes begehbar.
Proffessor Claus Bury wurde als Nachkomme einer alten Hanauer Neustadtbürgerfamilie, die Künstler und Goldschmiede hervorbrachte, in Meerholz geboren. Er studierte an der Hanauer Zeichenakademie, war viele Jahre in Hanau als Goldschmied und Bildhauer tätig und trat u.a. als Initiator des Projektes Stadtbildhauer Hanau / Skulpturenpark Schloss Philippsruhe hervor. Seine Holzarbeit "Stufenwärts" wird im Foyer des Congress Park Hanau präsentiert, seine Holzplasti "Tempeltor" im Schlosspark Philippsruhe. Bury ist ein renommierter deutscher Bildhauer der Gegenwart von internationaler Geltung.
Für die "Neustadtsitzgruppe" ist auch eine Paten - und Sponsoren für die einzelnen Steinquader in Vorbereitung, an der Sie sich alle - meine Damen und Herren - beteiligen können.
Nach Fertigstellung wird dieser Platz den Hanauer Bürgerinnen und Bürgern und Gästen der Stadt eine hohe Verweilqualität und ein wunderbares "Stück Grün" direkt in der Hanauer Innenstadt bieten.
Die Historie und Bedeutung der Neustadt wird von der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft getragen. ‎Und von einem Hanauer Künstler massgeblich gestaltet. Ein Glücksfall für unser Gemeinwesen.
Hanau hat in Sachen Kunst und Kultur im öffentlichen Raum viel zu bieten, vor vielen Jahren hat dazu u. a.der damalige Kulturdezernent Klaus Remer den Grundstein gelegt.

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