Wählergemeinschaft - Bürger für Hanau

Oliver Rehbein zum Kulturentwicklungsplan am 26.05.2015

Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin, meine sehr verehrten Damen und Herren,
bevor ich in die Tiefen des Kulturentwicklungsplanes einsteige möchte ich eine Person hier würdigen, die gemeinsam mit dem Kulturdezernten OB Claus Kaminski und dem Fachbereichsleiter Martin Hoppe und dem Team des Fachbereiches in herausragender Weise maßgeblich an diesem Kulturentwicklungsplan und auch an seinem über 20 Jahre alten Vorgänger mitgewirkt hat, ja, ihn an etlichen Stellen auch geprägt hat. Dem Kulturbeauftragten Klaus Remer gebührt hierfür unser Dank und unsere Anerkennung. Von dieser Stelle aus: gute Besserung, Klaus.
Allein schon die ersten Zeilen des Plans lassen staunen. Ich kann mich an etliche Gelegenheiten erinnern, an der der Oberbürgermeister an die Erfolge der Stadtentwicklung erinnert. Dabei zählt er Dinge auf, die wir schon lange als gegeben hinnehmen. Aber tatsächlich gibt es das Postcarree noch nicht wirklich lange. Da stand mal die städtebaulich reizvolle Schlachthofruine. Der Kinzigbogen, das Schwellenlager. Die Wohnanlage der Deutschen Reihenhaus AG an der Stelle der Ruine der Bereitschaftspolizeikaserne. Ähnlich ist der Anfang des Kulturentwicklungsplans aufgebaut! 1992 hat man noch nicht mal richtig von einem Theater-, Kultur- und Kongresszentrum geträumt, heute steht das CPH. Im Paul-Hindemith-Saal spielt die Neue Philharmonie Frankfurt vor voll besetzten Rängen auf einem so hohen Niveau, dass sich Hanau in der Kulturregion damit einen guten Namen erarbeitet hat. Internationale Kongresse und Tagungen finden den Weg nach Hanau. Vor 25 Jahren reine Utopie.
Wer hätte an ein weiteres Theater gedacht? Das Amphitheater ist eine Institution geworden, weit über Hanau hinaus reisen Gäste an um internationale Stars in den Sommermonaten zu hören. Hier sehe ich übrigens noch Entwicklungspotential in den Wintermonaten. Wir haben ein wundervolles stimmungsvolles Haus in der unmittelbaren Nachbarschaft quasi brachliegen. Das stimmt nicht jeden Nachbarn sofort froh, aber wir sollten uns hier kein Denkverbot auferlegen. Musikveranstaltungen in der Alten Oper, in der Festhalle, der Jahrhunderthalle, der Stadthalle Offenbach, der neuen Stadthalle Langen oder anderer Häuser enden auch um 23:00 Uhr. Ohnehin ist der Kulturentwicklungsplan keine in Stein gemeißelte und dann in einer verschlossenen Kiste vergrabene Granitplatte, sondern ein kraftvolles Statement Hanaus. Im Fluss und in Bewegung. Bunt, wie Kultur nun mal ist. Lebendig, rastlos, gierig.
Im Fluss sind auch die Brüder-Grimm-Festspiele, die nun weit über eine Millionen Besucher verzaubert und in ihren Bann gezogen haben. Mich auch! Auch das hat 1992 noch niemand geahnt. Unser Kulturmarkenzeichen in der Republik sind die Festspiele. Es ist nicht übertrieben, werden doch von etlichen auswärtigen Veranstaltern Hotelaufenthalte in der Rhein/Main-Region mit Besuch der Festspiele angeboten.
Der barrierefreie Zugang am Goldschmiedehaus ist eine ebenfalls weit über Hanau hinaus wirkende bahnbrechende Errungenschaft. Es wahrlich nicht üblich, unter besonderem Denkmalschutz stehende Häuser mit einem Außenaufzug zu versehen. Das hat man auch andernorts bemerkt und nicht überall gab es dafür Genehmigungen.
Die damals durchaus offenen Flanken „Lamboyfest“ und „Bürgerfest“ wurden an neuen Standorten manifestiert und sind aus dem sommerlichen Kulturangebot nicht mehr weg zu denken. Ich will den Hoffnungsträgerwettbewerb besonders erwähnen. Dieses kleine jährliche Highlight im Zelt 10 ist für etliche Bands, die heute gut im Geschäft sind, in der Region und teilweise auch darüber hinaus, ein Sprungbrett gewesen. Genau wie die
„Parkhausbands“, die jährlich im Böckler-Haus Ihre Künste zeigen dürfen. Das ist eine Kulturförderung, die Hanau gut zu Gesicht steht.
Eine der Hauptbaustellen der letzten Jahre neben der Konversionsflächenentwicklung war natürlich der wettbewerbliche Dialog mit dem darauf folgenden Stadtumbau. Konversion deshalb, weil sich auf den noch unentwickelten Flächen noch einige kleine Schmuckstücke verbergen, die nicht vergessen werden dürfen. Five-Penny-Playhouse in Old Argonner und das ehemalige Kasino in der Pioneer.
Der Kulturentwicklungsplan nennt die Katase-Säule. Damit wurde ein moderner Stadteingang geprägt. Die damaligen Diskussionen über pfeifende Jahreszeiten waren – im Nachhinein gesehen – eher lustig. Verglichen mit dem in Kürze zu errichtenden Denkmal für Moritz Daniel Oppenheim und für Paul-Hindemith, die sicher die großen Würfe im Stadtumbau sind, sind die kleineren Dinge wie die geplante Neustadtsitzgruppe und der bereits erfolgte Umzug der sechs Schwäne und ihrer Schwester zu nennen. Einen besonderen Leckerbissen will ich noch erwähnen. Das Altstadtmodell von Herrn Jakob wird einen tollen Platz finden im Schloss Philippsruhe, wo es dann auch alles ‚Bürgerinnen und Bürgern zugänglich sein wird.. Wer es noch nicht gesehen hat, ist selbst schuld! Diese Genauigkeit, diese Detailtreue, es ist ein faszinierendes Erlebnis, sich unsere Geschichte vor dem 19.März 1945 anzuschauen. Man kann quasi eintauchen in diese einzigartige Miniaturwelt! Ich danke ihm für diesen wundervollen Einsatz und bete für den Erhalt seiner positiven Schaffenskraft!
Wir teilen die Einschätzung, die in der Einleitung klar aussagt, dass das Papier von großer Bedeutung ist. Es wird uns bei unserer Wertschätzung für die kommunale Kulturpolitik Perspektiven aufzeigen und uns Potentiale nennen, die es zu heben und auszubauen gilt. Der Kulturentwicklungsplan ist aber auch gleichzeitig Mahnung, Grenzen richtig einzuschätzen und Prioritäten klar zu benennen.
Wir bleiben bei unserer bisherigen Haltung, dass Hanau ärmer wäre, wenn wir uns darauf eingelassen hätten, den Rotstift im Kulturbereich stärker anzusetzen, als anderswo. Das war ganz ausdrücklich nicht der Wille der Regierungskoalition. Jeder Fachbereich, jede einzelne Maßnahme quer durch die Stadt wurde im Einzelfall beleuchtet. Und wir haben entschieden, den Zuschuss für die Festspiele nicht zu kürzen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn man bedenkt, dass wir wieder vier Aufführungen zeigen und das mit eingefrorenem städtischen Zuschuss, dann kommt vor diesem Hintergrund der vermeldete Rekord von über 40.000 im Vorverkauf abgesetzten Eintrittskarten quasi einer Sensation gleich!
Lassen Sie uns die bewährten Veranstaltungen in der Stadt, die kleine aber feine und auch sehr geschätzte Bühne im Fronhof beim Kultursommer genießen. Das Engagement der vielen Helfer bei der Wilhelmsbader Musiker- und der Sommernacht würdigen und die neuen Top-Angebot im Kinopolis die MET, bestaunen. Von alledem hat man 1992 noch nichts geahnt, aber doch seit dem den Weg zu vielen Angeboten geebnet. Es ist schon so vieles erreicht, aber noch lange nicht alles entdeckt!
Das ist ebenfalls die Zeit, das hohe Ehrenamtliche Engagement, die Bereitschaft, nahezu unendliche unentgeltliche Zeit in die Hanauer Kultur zu stecken, zu würdigen. Die Damen und Herren, die ehrenamtlich das Puppenmuseum unterstützen und mit ihrem Dienst an der Kasse dazu beitragen, das Museum am Leben zu erhalten. Die Menschen, die im Karussellverein unzählige Stunden mit der Organisation des Festes in Wilhelmsbad zubringen! Auch der Kesselstädter Wingert wird nicht professionell betrieben. Das Engagement für die Großauheimer Bibliothek. Tolle Leistungen, die im ehrenamtlichen stadtgesellschaftlichen Ranking ganz weit vorne stehen!
Man kann einfach nicht alles aufzählen, so groß ist die Bereitschaft, hier mitzuhelfen, mit zu gestalten.
Lassen Sie uns ein bisschen Zeit und wir werden die Hanauer Marke „Grimm“ im Nordflügel des Museums präsentieren, wie es Ihnen gebührt! Die Klasse Ideen und klaren Vorstellungen von Frau Dr. Bechtler sind von hoher Qualität und wir dürfen davon ausgehen, dass die Umsetzung klar strukturiert wird und uns auf Sicht in der ganzen Region weit nach vorne bringt.
Wir fordern Sie alle auf, sich an einer breiten Diskussion zur kulturellen Aufstellung in unserer Stadt zu beteiligen. Ausdrücklich sind Anregungen, Kritik, Wünsche oder Ergänzungen gewünscht, gleichsam aber nicht immer bezahlbar. Sie sollen aber, wie ich eingangs am Beispiel der Orangerie, nicht gleich an fehlenden Mitteln, fehlenden Ideen oder fehlendem Interesse scheitern. Wir haben Flächen zur Verfügung, nutzen Sie aber nicht so, wie es möglich wäre. Ich denke an Großveranstaltungen in der August-Schärttner-Halle. Ja, nicht einfach, aber machbar, wie wir wissen. Es gibt noch reichlich Potentiale, lassen Sie sie uns gemeinsam entdecken. Ich zitiere hier: die Stadtkultur braucht Interesse, Infrastuktur und Impulse. Lassen Sie uns diesen Plan zum Anlass nehmen und ihn regelmäßig anschauen. Lassen Sie uns flexibel auf Veränderungen reagieren, füllen Sie ihn mit Leben!


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