Wählergemeinschaft - Bürger für Hanau

Leserzuschrift zu Berichten im HA zum Tod von Klaus Remer

Ich möchte vorrangig den Mensch Klaus Remer würdigen, weniger den Politiker Klaus Remer, dies ist bereits ausführlich und zu Recht in den Medien geschehen, auch wenn man einen kritischen Rückblick auf die Geschehnisse mit seiner Abwahl vermisst.
Klaus Remer hatte eine besondere Begabung, die sich vor allem bei unseren jährlichen Klausurtagungen der BfH offenbarte: Er konnte sehr geduldig zuhören. Seine noch stärkere Begabung war aber, dass er seine Beiträge mit 2 bis 5 Vorbemerkungen begann. Aber dies ist wohl berufstypisch als Pädagoge und getragen von der Absicht, dass jeder alles versteht. Ja, es stimmt was in der Zeitung geschrieben steht und was aus dem Rathaus als Pressebotschaft nach draußen verkündet wurde: Es gab kein bitteres Wort von ihm, Ungerechtigkeiten, die ihm widerfahren sind, hat er sachlich geschildert, fast schon neutral, obwohl es ihn persönlich tief getroffen hatte. Er war kein Mensch, der auf Rache sinnte, auch nicht jemand, der Gerechtigkeit einforderte, er wollte nur verstanden werden ohne zu urteilen oder zu verurteilen.
Das Interesse am Wohlergehen anderer und der Stadt Hanau war ihm wichtiger als beifallheischendes Verhalten. So lange ich ihn kenne, war es sein Bemühen, den Ausgleich zu suchen, ohne bestimmte Positionen aufzugeben, verbunden mit einer gewissen Harmoniebedürftigkeit.
Klaus Remer war kein Freund der Algorithmen, d.h. alles ist erfassbar, messbar und daraus ergeben sich zwangsläufig die Lösungen für Probleme. Für ihn war Qualität kein messbares, sondern ein menschliches Phänomen. Kunst kam bei ihm nicht von Kommerz oder – eine Horrorvorstellung bei ihm – von messbaren Zahlen und Finanzen. In Gesprächen mit ihm über Schule und seiner ehemaligen beruflichen Tätigkeit als Lehrer war es für ihn nie nachvollziehbar, wie es das Schulsystem schafft aus freudigen Kindern am 1. Schultag gesteuerte Menschen am Ende der Schulzeit zu machen. Dass alles unter dem „Diktat der Finanzen“ steht, hat ihn als Kulturfreund sehr belastet, ihm war aber zugleich bewusst, ohne Pragmatismus und Geld keine Kultur und Muse. Es hat ihn dennoch persönlich geärgert, wenn z.B. beim Kulturaustausch mit Partnerstädten ums Geld für ein paar belegte Brötchen gerungen werden musste.
Er war eine Persönlichkeit, die den Stil der BfH seit der Gründung im Jahr 2000 prägte, und für ihn bedeutete Mehrheit nicht automatisch Wahrheit. Seine Bescheidenheit in den letzten Jahren findet sich auch in seiner E-Mail an Freunde und Weggefährten anlässlich seines 75. Geburtstages wieder. Er schreibt: „ Nachdem ich mehrfach runde Geburtstage mehr oder weniger aufwändig, mit Freude, aber auch einem gewissen Pflichtbewusstsein begangen habe oder meinte, begehen zu müssen, ist meine Entscheidung gereift, in diesem Jahr diesen Tag meiner Geburt einfach zu übergehen. D.h. mein Geburtstag findet statt, ich befinde mich aber nicht in Hanau, und bitte deshalb darum, von besonderen Glückwünschen oder gar von Geschenken abzusehen.“
Vielleicht hatte er schon eine Vorahnung, zumindest eine Vorstellung davon, wie viel Gutes geschrieben und gesagt wird, wenn ein Mensch nicht mehr lebt. Er hat seine Abwahl 1999 durch die eigenen Parteifreunde als demokratischen Entscheidungsprozess akzeptiert, das Warum und Wie hat ihn aber sehr geschmerzt.
Ich bin sicher, er hat seinen inneren Frieden, trotz der Widrigkeiten, die ihm politisch und menschlich widerfahren sind, schon lange gefunden.

Für den Vorstand der BfH, der BfH-Fraktion im Stadtparlament, den Ortsbeiräten der BfH und auch für mich war es eine Freude, ihn erlebt und gekannt zu haben.

Dieter Simon

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